Eingangsbereich

Neubau KiTa St. Peter

Neubau einer integrativen 8-gruppigen Kindertagesstätte

Form

Die integrative Kindertagesstätte wurde am Standort Wengerohr mit 4 Regelgruppen in einem Hauptgebäude und 2 integrativen Gruppen in einem ausgelagerten Nebengebäude geführt. Zusätzlich wurde weiterer Raum benötigt um den Bedarf an zusätzlichen Plätzen entsprechen zu können, der sowohl im Bestandsgebäude als auch im Nebengebäude aufgrund der veränderten Anforderungen an eine zeitgemäße Kindertagesstätte nicht realisiert werden konnte.

Zonierung

Die neue 8-gruppige Kindertagesstätte, davon zwei integrative Gruppen, wurde auf dem ehemaligen Sportplatz ganz aus Brettsperrholz errichtet. Die beiden Mensabereiche und der Mehrzweckraum bilden das Zentrum der Einrichtung. Hierum gliedern sich die Gruppen. Es entstand eine Struktur, die über einzelne Plätze und Wege miteinander verbunden ist und verschiedene Ein- und Ausblicke zulässt. Durch farbliche Akzente vor den Gruppenräumen und farblich passenden Zugangstüren, die in das neu gestaltete Außengelände führen, sind die Bereiche eindeutig ablesbar.

Konzeption und Funktionalität des Gebäudes sind auf Nachhaltigkeit und für die Zukunft ausgelegt – Umnutzung jederzeit möglich – dem demographischen Wandel wird Rechnung getragen, z.B. Nutzung als Alten- oder Pflegeheim. (Farbsystem in der Kita auch für Demenzpatienten hilfreich).

Konstruktion / Gebäudehülle

Das Gebäude wurde auf einem ehemaligen Sportplatz gebaut, dabei wurde der Sportplatzoberbau als Tragschicht für den Unterbau der Bodenplatte verwendet und konnte somit wiederverwertet werden. Als nachfolgende Perimeterdämmung dienen 10 cm dicke XPS-Hartschaum-Platten, auf die eine 25 cm dicke, selbsttragende Stahlbetonbodenplatte (C 20/25) gegossen wurde.

Materialien

Die Wände und Decken bestehen aus Fichte/Tanne-Massivholzelementen (ca. 480 m³), dadurch werden der Atmosphäre dauerhaft ca. 474 t/CO2 entzogen. Das Holz der Innenwände wurde zum größten Teil sichtbar gelassen, so konnten weitere Kosten beim Innenausbau reduziert und gleichzeitig eine angenehme und warme Atmosphäre geschaffen werden. Die Außenwände sind mit einer 16 cm dicken Dämmung aus Holzweichfaser (ca. 135 m³) bekleidet, der erdberührende Sockelbereich wurde aus 14 cm dicken Schaumglasplatten aus recyceltem Altglas hergestellt.

Die Dämmung auf der Bodenplatte erfolgte mit mineralischer Dämmung, 60 + 20 mm. An den Gebäuderücksprüngen wurde zusätzlich eine Rhombusschalung aus Lärchenholz angebracht um die verschiedenen Bereiche zu gliedern. Ebenfalls aus Lärche wurden die Holz-Alu-Fenster mit 3-fach Verglasung angefertigt. Das Flachdach erhielt eine extensive Dachbegrünung zur Verbesserung des Mikroklimas. Alle Bodenbeläge bestehen aus dem umweltfreundlichen Material aus Kautschuk mit dem Gütesiegel „Blauer Engel“.

Haustechnik

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe verdichtet die Wärmeenergie aus der oberflächennahen Geothermie und überträgt diese mit einer Vorlauftemperatur von 35 Grad Celsius in die Fußbodenheizung. Die Wärmepumpe wird über 8 Bohrungen in etwa 100 m Tiefe versorgt.

Das System wurde dual ausgelegt und übernimmt zugleich eine effiziente und kostengünstige Kühlung über passive Nutzung der Sondenbohrungen über die Flächenheizung, sowie einer Nachtauskühlung über die Lüftungsanlage im Sommer. So lassen sich selbst an warmen Sommertagen angenehme Raumtemperaturen erzielen. Eine Photovoltaik-Anlage, mit ca. 9,80 kWp, auf dem Hauptdach deckt den Eigenverbrauch an Strom ab. Diese liefert exakt zu Zeiten des größten Verbrauchs am meisten Strom: tagsüber, insbesondere in der Mittagszeit, wenn für etwa 150 Kinder frisch gekocht wird.

Das Raumklima wird über eine Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Rotationswärmetauscher) gesteuert. In der Küche wurde eine separate Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Kreuzstromwärmetauscher) installiert. Die Beleuchtungselemente wurden im gesamten Gebäude mit stromsparenden LED‘s ausgeführt.
Der Jahres-Primärenergiebedarf liegt bei QP: 157,67 kWh/(m²a), dies entspricht einem KfW-Effizienzhaus 55 bei Nichtwohngebäuden.

Besonderheiten

  • Auszeichnung der Klimaschutzplakette „H.ausgezeichnet“ der Energieagentur Rheinland-Pfalz für energiesparendes Bauen durch Landesumweltministerin Ulrike Höfken am 20.02.2018 in Morbach
  • Teilnahme am Tag der Architektur 2019 in Rheinland-Pfalz
  • Publikation in der Fachzeitschrift bauen mit Holz 9.2019

Die Finanzierung des Neubaus der Kita St. Peter in Wittlich-Wengerohr erfolgte durch die Stiftung Stadt Wittlich im Rahmen einer Vermögensumschichtung. Die Bauweise folgt der Satzung der Stiftung, die den Faktoren „Umwelt“ und „Soziales“ explizit Vorrang gibt und verknüpfte mithilfe des nachwachsenden Baustoffs Holz in einem Prozess das Gemeinschaftliche mit dem Ökologischen.

Angesichts des dringenden Bedarfs an KiTa-Plätzen war die sehr kurze Bauzeit für ein Projekt dieser Größenordnung einer der entscheidenden Faktoren, warum das Gebäude komplett aus Massivholz errichtet wurde. Vom Spatenstich bis zur Eröffnung vergingen lediglich 15 Monate.

Projekt-Steckbrief

Adresse

St.-Peter-Weg 1
D-54516 Wittlich
Deutschland

Projektart

Neubau einer Kindertagesstätte

Bauzeit / Fertigstellung

März 2017 – Juni 2018

Flächen / Kubatur

BGF 1780 m² / BRI 6792 m³

Anzahl der Geschosse

-1

Bauart

Massivholzkonstruktion

Energiearten

Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdkollektor
Kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Projektbeteiligte

Bauherren

Stiftung Stadt Wittlich

Architekt

Christian Gerhardy, Stadtverwaltung Wittlich

Tragwerksplanung

Ingenieurbüro Pyttlik & Bormann S.à r.l.

Fachingenieur/in

ARGE Berens & Friedrich, Heck + Kappes, TGA

Holzbau

Holzbau Stoffel GmbH, Christoph Rascopp

Sonstige Beteiligte

Brandschutz Friedrich

Fotografien

Lukas Huneke Photography

Neubau KiTa St. Peter
St.-Peter Weg 1
54516 Wittlich-Wengerohr Deutschland
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