Wegen der engen Auflagen wurde für die Verkleidung ein schuppenartigen Panzer aus Blechschindeln gewählt

Haus am See

Im Jahr 2004 wurde in der Nordeifel um die Stauseen von Rur und Urft der neue Nationalpark Nordeifel ausgerufen. Am Fusse dieses Nationalparks in unmittelbarem Anschluss an den Rurstausee bildet eine letzte Staustufe der Rur das Staubecken Heimbach, den See für das Haus am See. Das Grundstück ist am Nordufer des Staubeckens gelegen, ein stark ansteigender Südhang mit Blick in die Laubwälder des Nationalparks. Es hat eine Grösse von ca. 5.500 m2, 5000 m2 Eichenwald und lediglich 500 m2 Bauland. Es liegt im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes aus den 1970er Jahren, der für den Uferbereich ein Wochenendhausgebiet vorsieht. In direkter Nachbarschaft befindet sich das „Rote Haus“, in den 1970er Jahren erbaut, scheint es auf den ersten Blick aus einer anderen Epoche zu stammen und dem Grundstück einen besonderen Reiz zu verschaffen.

Seeblick, Südhang, Eichenwald und „Rotes Haus“ sind die ersten Eindrücke, die es in ein „Wochenendhaus“ zu fassen gilt. Der Bebauungsplan mit einer Gestaltungssatzung aus den 70er Jahren zeigt die Grenzen auf. Verboten sind Eternit, Holz und Kunststoffverkleidungen. Vorgeschrieben sind Satteldach, Eingeschossigkeit und helle Fassaden. Wichtig werden Seeblick und Eichenwaldblick, beide stellen spezifische Eindrücke dar, die in einem „Durchwohnraum“ erfasst und mittels grosser Panoramaöffungen erlebbar werden. Der Raum wird durch eine Funktionsschiene mit Küche, Abstellraum und Treppe in zwei gleichgrosse Raumbereiche aufgeteilt, dem Seeblickraum und dem Eichenwaldraum. Ergänzt wird das Wohnpanorama im Untergeschoss durch Arbeits- und Abstellraum und im Obergeschoss durch Bad, Schlaf- und Gästezimmer.

Der Baukörper, resultierend aus Funktionszusammenhängen und Bebauungsplanvorgaben, wird als Gesamtvolumen begriffen, welches von einem Verbindungsraum, einer Röhre durchbrochen wird. Sie stellt den innenräumlichen Kontakt von See- und Eichenwaldseite her und kann durch Aufschieben der grossen Faltschiebeelemente zum verbindenden Aussenraum mutieren. Die Röhre zeichnet sich durch eine über Boden, Wand, Decke durchgehende Parkettverkleidung ab, welche sowohl bei geöffneter als auch bei geschlossener Röhre innen wie aussen ablesbar bleibt. Diesem hölzernen Raum wird die mit Aluminiumblech ausgeführte Schuppenhaut des Baukörpers gegenübergestellt. Die schnörkellose Rigidität und Eindeutigkeit der vollzogenen Geste wird durch die Nachbarschaft des romantisierend wirkenden „Roten Hauses“ in besonderer Weise betont und scheint die ungewollte Provokation zu beschwören.

Auf das Untergeschoss, welches als Stahlbetonsockel und Fundament wie in den Steilhang geschoben scheint, baut sich der wesentliche Teil des Hausbaukörpers als elementierte Holzrahmenkonstruktion auf. Schon in der nur dreitägigen Aufstellphase wird das Zusammenspiel von einfacher Grundrissgestaltung und gewählter Konstruktionsform deutlich und die Konzeption des Hauses auf besondere Weise sichtbar. Auch wenn aufgrund der bauleitplanerischen Vorgaben der Holzbau nicht unmittelbar durch die Aussenfassadengestaltung in Erscheinung tritt, so wird doch durch die rundum holzverkleidete, weithin sichtbare Wohnröhre mehr als nur eine Reminiszenz an den ausgeführten Holzrahmenbau nach aussen getragen. Aber auch andere Details des Innenausbaus, wie zum Beispiel die Treppen, haben ihren Ausgangspunkt in der Holzrahmenkonstruktion bzw. wurden durch diese erst in der realisierten Form ermöglicht.

Die klare Darstellung und Ablesbarkeit von Gesamtbaukörper und Röhre hatte die Suche nach ein Material zur Folge, welches eine problemlose Verkleidung von Dach und Wand erlaubte und den Festlegungen der Gestaltungssatzung des Bebauungsplanes entsprach. Die Entscheidung fiel für einen schuppenartigen Panzer aus Blechschindeln. Die silbermetallic lackierten Aluminiumschindeln werden konsequent eingesetzt und umschließen fugenlos sowohl die unterschiedlichen Konstruktionen, als auch die gesamte Dachfläche. Selbst die minimiert eingesetzten Fenster des Obergschosses werden mit farbgleichen Aluminiumklappläden versehen, um den geschlossenen Gesamteindruck des Baukörpers zu verstärken.

Bauherr/Bauherrin

Sonja Starke, Michael Viktor Müller

Architekten

mvmarchitekt + starkearchitektur
michael viktor müller, sonja starke
Mauritiussteinweg 72, 50676 Köln
www.mvm-architekt.de, www.starke-architektur.de

Tragwerksplaner

Ingenieurbüro Meiger, Dipl.Ing.Johannes Meiger
Maria-Hilf-Strasse 15, 50677 Köln
www.meiger-planung.de

Bauausführung

Adams Holzbau-Fertigbau GmbH
Brohltalstrasse, 56651 Niederzissen
www.adams-holzbau.de

Baujahr

2004/2005

Ansprechpartner

michael viktor müller
info@mvm-architekt.de

Fotograf

Thomas Koculak, Mörfelden

Gebäudeart

Wohnhaus

Bauweise

Holzrahmenbau

Objektdaten

BRI 522,00 m3 Wohnfläche 136,30 m2

Konstruktion

Holzrahmenbau mit massivem Sockelgeschoss aus Stahlbeton, wärmegedämmte Holzständerwand mit gedämmter Installationsebene, hinterlüftete Verschalung mit Aluminiumblechschindelverkleidung

Technische Ausstattung

konventionell

Energiekonzept

konventionell, Brennwerttherme (Gas)

Haus am See
Im Sangert 23
52396 Heimbach Deutschland
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